Raumtrennung Möglichkeiten

Veröffentlicht am: 26.02.26 unter Fachwissen & Expertise

Offene Grundrisse sind Standard, doch Flexibilität, Akustik, Brandschutz und Ästhetik gleichzeitig zu erfüllen, bleibt eine planerische Herausforderung. Dieser Leitfaden gibt Architekten und Innenausbau-Entscheidern einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Raumtrennung Möglichkeiten: von raumhohen Glastrennwänden über mobile Wandsysteme bis hin zu raumbildendem Ausbau mit integriertem Schallschutz.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Raumtrennung lässt sich in feste, mobile und teilmobile Systeme unterteilen, jede Kategorie hat spezifische Stärken
  • Glastrennwände verbinden optische Offenheit mit klarer räumlicher Zonierung
  • Schallschutzanforderungen bestimmen maßgeblich, welche Konstruktion geeignet ist
  • Brandschutz und Sicherheit sind bei fest eingebauten Trennwänden normativ relevant
  • Die beste Lösung ergibt sich immer aus der Kombination von Nutzungsanforderung,     Raumgeometrie und gestalterischem Ziel

Was ist Raumtrennung und warum ist die Wahl der Methode entscheidend?

Raumtrennung bezeichnet alle baulichen oder einrichtungsbezogenen Maßnahmen, die einen Raumbereich in zwei oder mehr funktionale Zonen unterteilen. Der Begriff klingt technisch, die Implikationen sind es jedoch ebenso: Eine Raumtrennung beeinflusst Akustik, Lichtführung, Brandschutzabschnitte, Klimatisierung und nicht zuletzt das Raumgefühl der Nutzer.

Gerade bei gewerblichen Projekten – Büroneubauten, Krankenhäuser, Banken, Kultureinrichtungen – ist die Raumtrennung keine gestalterische Nebensache, sondern ein strukturierendes Element der gesamten Nutzungskonzeption. Wird sie zu spät im Planungsprozess betrachtet, entstehen Konflikte mit Haustechnik, Fluchtwegen oder Brandschutzkonzepten, die sich im Nachhinein nur mit erheblichem Aufwand lösen lassen.

Die wichtigsten Raumtrennung Möglichkeiten im Überblick


1. Fest installierte Trennwände

Fest eingebaute Trennwände bilden die traditionelle Form der Raumtrennung. Sie werden in der Regel in Trockenbauweise (Gipskarton, Gipsfaser) oder als Systemtrennwände aus industriell vorgefertigten Elementen errichtet.

Typische Einsatzbereiche:
  • Bürogebäude mit fester Raumaufteilung
  • Kliniken und Gesundheitseinrichtungen
  • Bildungsbauten (Klassenräume, Seminarräume)
  • Öffentliche Verwaltungsgebäude
Vorteile:
  • Hohe Schalldämmung erreichbar (Rw bis 60 dB möglich)
  • Integration von Brandschutzanforderungen (F30, F60, F90)
  • Stabile Basis für Wandverkleidungen, Einbauschränke, Türen
  • Langlebig und wartungsarm
Nachteile:
  • Keine Flexibilität bei späteren Nutzungsänderungen
  • Kostenintensiver Rückbau
  • Eingriff in Deckenkonstruktion und Haustechnik notwendig
2. Glastrennwände – Offenheit mit Funktion

Glastrennwände sind eine der am häufigsten gewählten Raumtrennung Möglichkeiten in modernen Büro- und Repräsentationsbauten. Sie trennen räumlich, ohne visuell zu trennen: ein Vorteil, der in der zeitgenössischen Innenarchitektur kaum zu überschätzen ist.

Unterschieden wird zwischen:

  • Einfach verglasten Systemen: (Einscheibensicherheitsglas, ESG): geringere Schalldämmung, wirtschaftlich
  • Mehrfach verglasten Systemen: verbesserte Akustikwerte, geeignet für Besprechungsräume
  • Rahmenlos vs. gerahmt: rahmenlose Systeme wirken hochwertiger, gerahmte Systeme bieten mehr konstruktive Flexibilität
  • Raumhohe Verglasungen: maximale Wirkung, erfordert präzise Planung bzgl. Deckenanbindung

Akustik bei Glas: Glas ist bei falscher Planung ein akustisch kritisches Material. Die Schalldämmung von Glastrennwänden hängt stark von Glasdicke, Zwischenraum und Dichtungssystem ab. Für Besprechungsräume, in denen Sprachvertraulichkeit gefordert ist, empfehlen sich Rw-Werte von mindestens 42–48 dB.

Brandschutz: Für Glastrennwände gibt es zugelassene Brandschutzverglasungen (G- und F-Klassifizierung), die im Rahmen des Brandschutzkonzepts berücksichtigt werden müssen.


3. Mobile und flexible Trennwände

Mobile Raumteiler erlauben eine nutzungsabhängige Raumzonierung, die sich innerhalb von Minuten verändern lässt. Sie sind ideal für Räume mit wechselnden Anforderungen: Konferenzzentren, Veranstaltungssäle, multifunktionale Schulbereiche.

Varianten:

  • Schiebewände: entlang einer Deckenschiene geführt, platzsparend
  • Faltwände: faltbar zusammenschiebbar, hoher Schallschutz möglich
  • Freistehende Raumteiler: ohne Deckenbefestigung, eingeschränkte Schalldämmung, schnell repositionierbar
  • Akustisch wirksame Trennwände: Bodenschiene geführt, für temporäre Zonierung mit Akustikanforderung

Grenzen mobiler Systeme: Je flexibler ein System, desto größer sind in der Regel die Kompromisse bei Schalldämmung und Brandschutzintegration. 


4. Raumzonierung durch Einbaumöbel und Möbelarchitektur

Nicht jede Raumtrennung erfordert eine Wand. Hohe Regaleinheiten, Empfangstheken, Raumteiler-Möbel oder Stauraumelemente können räumliche Zonen definieren, ohne den Raum zu verschließen.

Diese Methode eignet sich besonders für:

  • Empfangsbereiche (Sichtschutz ohne Abtrennung)
  • Offene Büroflächen (Team-Clustering)
  • Bibliotheken und Lesezonen
  • Showrooms und Ausstellungsflächen

Der Vorteil liegt in der gestalterischen Flexibilität und der Möglichkeit, Funktion und Raumtrennung in einem Element zu vereinen. Maßgefertigte Möbellösungen erlauben dabei eine hohe Anpassung an Raumgeometrie und CI des Auftraggebers.

5. Akustik-Elemente als raumtrennende Maßnahme

Akustikpaneele, abgehängte Absorberfelder oder textile Trennelemente werden zunehmend als hybride Lösung eingesetzt: Sie verbessern die Raumakustik und schaffen gleichzeitig eine optische Zonierung, ohne bauliche Eingriffe.

Im offenen Großraumbüro kann die gezielte Anordnung von Akustikelementen die wahrgenommene Privatsphäre deutlich erhöhen, auch wenn keine physische Barriere vorhanden ist. Dies ist ein zunehmend relevantes Thema im Kontext von New-Work-Konzepten und agilen Büroumgebungen.

Für welchen Raum eignet sich welche Lösung?

Besprechungsraum / Konferenz: Glastrennwand mit Mehrfachverglasung (Rw ≥ 42 dB). Sprachvertraulichkeit und Tageslicht sind hier die Hauptanforderungen.

Empfangsbereich / Foyer: Raumhohe Glastrennwand oder maßgefertigte Möbellösung .Repräsentation und Offenheit stehen im Vordergrund, Schallschutz ist sekundär.

Großraumbüro: Kombination aus Akustikelementen und Möbelzonierung. Physische Barrieren sind oft nicht gewünscht, aber Lärmreduktion und visuelle Orientierung schon.

Multifunktionssaal / Veranstaltungsraum: Mobile Trennwand für maximale Flexibilität.

Klinik / Gesundheitseinrichtung: Fest installierte Trennwand mit Brandschutzklassifizierung. Hygiene, Schallschutz und normative Anforderungen dominieren die Auswahl.

 

Worauf es bei der Auswahl ankommt: Entscheidungskriterien im Überblick

Die Wahl der richtigen Raumtrennung ergibt sich aus mehreren Parametern, die von Anfang an in die Planung einfließen sollten:

Akustikanforderungen: Welche Schallschutzklasse ist für den jeweiligen Bereich erforderlich? DIN 4109 und VDI 2569 geben hier Orientierung für Büro- und Verwaltungsgebäude.

Brandschutzkonzept: Ist die Trennwand Teil eines Brandabschnitts? Dann gelten normative Anforderungen an Feuerwiderstandsdauer und Materialien.

Nutzungsflexibilität: Wie stabil ist die geplante Raumnutzung über die Nutzungsdauer des Gebäudes? Bei hoher Unsicherheit empfehlen sich flexible oder modulare Systeme.

Lichtführung: Soll Tageslicht über Trennelemente hinweg transportiert werden? Dann sind Glaslösungen oder transparente Elemente zu bevorzugen.

Gestaltungsanforderungen: In repräsentativen Bereichen wie Empfang, Foyer, Management-Etagen, etc. spielen Optik, Materialität und Verarbeitungsqualität eine gleichwertige Rolle neben der Funktion.

Budget und Lifecycle-Kosten: Günstigere Systeme amortisieren sich oft nicht, wenn spätere Nutzungsänderungen aufwändige Umbauten erfordern. Die Investition in ein hochwertiges, flexibles System zahlt sich über den Lebenszyklus aus.

Typische Planungsfehler bei der Raumtrennung

Zu späte Integration in den Planungsprozess: Trennwände, die erst nach Abschluss der Haustechnikplanung eingefügt werden, kollidieren häufig mit Lüftungskanälen, Sprinklerleitungen oder Beleuchtungsrastern.

Unterschätzung der Akustikanforderungen: Insbesondere bei Glastrennwänden werden Schalldämmwerte oft zu optimistisch eingeschätzt. Herstellerangaben gelten für Laborbedingungen, in der Praxis reduzieren Fugen, Durchdringungen und angrenzende Konstruktionen die Wirkung erheblich.

Fehlende Abstimmung mit dem Brandschutzkonzept: Nicht jede Trennwand, die optisch überzeugend ist, erfüllt auch die normativen Anforderungen als raumabschließendes Bauteil.

Vernachlässigung der Reinigung und Wartung: Rahmenlose Glastrennwände und hochwertige Oberflächen erfordern spezifische Pflege. Wer dies nicht im Betriebskonzept berücksichtigt, riskiert Qualitätseinbußen im Erscheinungsbild.

Raumtrennung in der Praxis: Wie WESTERMANN plant und realisiert

Raumtrennung ist bei WESTERMANN kein Einzelgewerk, sondern ein integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Innenausbaukonzepts. Die Frage lautet nicht: „Welche Trennwand passt hier?"  sondern „Wie muss der Raum funktionieren und welches System erfüllt alle Anforderungen gleichzeitig?".

Das beginnt bei der Planung: Trennwände, Türen, Akustikelemente und Wandverkleidungen werden bei WESTERMANN von Anfang an als System gedacht. Die Systemlösungen sind auf maximale Kompatibilität ausgelegt. Türen integrieren sich nahtlos in Trennwandkonstruktionen, Schallschutzelemente ergänzen Glastrennwände, Brandschutzanforderungen werden konstruktiv gelöst, nicht nachträglich ergänzt.

Diese Herangehensweise spiegelt sich in den realisierten Referenzprojekten wider: von der Glastrennwand über die Raumzonierung bis hin zu komplexen Innenausbauten in Bildungseinrichtungen und Kulturbauten. Die Bandbreite zeigt: Hochwertige Raumtrennung ist kein Standardprodukt, sondern immer das Ergebnis präziser Planung, Materialkenntnis und handwerklicher Ausführung aus einer Hand.

Aktuelle Entwicklungen: Was bewegt das Thema Raumtrennung?

New Work und Flächenflexibilität: Die zunehmende Verbreitung von Hybrid-Work-Modellen erhöht den Bedarf an Flächen, die sich schnell umkonfigurieren lassen. Mobile und modulare Trennwandsysteme erleben dadurch eine Renaissance.

Akustikdesign als eigenständige Disziplin: Lärmbelastung am Arbeitsplatz ist ein zunehmendes Thema in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Architekten und Planer integrieren Akustikplanung früher und systematischer in den Entwurfsprozess.

Nachhaltigkeit und Rückbaubarkeit: Trennwandsysteme, die sich rückstandslos demontieren und in anderen Projekten wiederverwenden lassen, gewinnen an Bedeutung, sowohl aus ökologischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Materialvielfalt: Neben Glas und Gipskarton kommen zunehmend hochwertige Verbundwerkstoffe, Mineralwerkstoffe und textile Oberflächen zum Einsatz. Materialien, die funktionale Anforderungen mit gestalterischen Ansprüchen verbinden.

 

Häufige Fragen zur Raumtrennung
 

Was sind die gängigsten Raumtrennung Möglichkeiten in Bürogebäuden?
In Bürogebäuden dominieren Glastrennwände (raumhoch oder als Brüstungsverglasung), Systemtrennwände in Trockenbauweise und mobile Schiebewandsysteme. Zunehmend werden auch Möbellösungen zur räumlichen Zonierung eingesetzt.

Wie viel Schalldämmung brauche ich bei einer Besprechungsraumtrennung?
Für Besprechungsräume, in denen Sprachvertraulichkeit gewünscht ist, empfiehlt VDI 2569 einen Schallschutz von mindestens Rw 42 dB. Für Räume mit erhöhten Anforderungen (Personalgespräche) sollten Werte von 48–52 dB angestrebt werden.

Kann ich eine Glastrennwand nachträglich einbauen?
Grundsätzlich ja, jedoch müssen Deckenanbindung, Brandschutzkonzept und haustechnische Installationen geprüft werden. Ein nachträglicher Einbau ist aufwändiger und teurer als die Integration in der Entwurfsphase.

Was kostet eine hochwertige Systemtrennwand?
Die Kosten variieren stark je nach System, Material und Anforderung. Einfache Glastrennwände beginnen bei ca. 300–500 €/m², hochwertige Systemlösungen mit Schallschutz und Brandschutzintegration können deutlich darüber liegen. Eine pauschale Aussage ist ohne Projektkenntnis nicht seriös.

Sind mobile Trennwände schallschutztauglich?
Hochwertige mobile Trennwandsysteme erreichen Schalldämmwerte von Rw 48–52 dB. Sie sind damit für die meisten Büro- und Konferenzanwendungen geeignet, aber nicht für Bereiche mit sehr hohen Anforderungen an Sprachvertraulichkeit.

Wer ist bei der Planung einer Raumtrennung einzubeziehen?
Idealerweise Architekt oder Innenarchitekt, Akustikplaner, Brandschutzplaner und der ausführende Innenausbauspezialist. Und das so früh wie möglich im Planungsprozess.